St. Martinskirche

Die moderne St. Martinskirche von 1957

Mittsommernacht der Chöre 2014
Mittsommernacht der Chöre 2014 (MS)

Die St. Martinkirche stellt mit ihrer exponierten Lage, ihrer Größe und ihrer architektonischen Bedeutung ein Sakralgebäude dar, das aus dem Stadtteil nicht wegzudenken ist. Darüber hinaus besitzt die Kirche mit ihrer exzellenten Akustik und einer Raumgröße, die rund 800 Besucherinnen und Besuchern Platz bietet, eine besondere Bedeutung für die Realisierung des vorhandenen musikalischen Profils der Gemeinde. Hier können große kirchliche Veranstaltungen, Konzerte und die bekannten Kinderchorfestivals durchgeführt werden, die oft von mehreren hundert Personen besucht werden.

Das heutige Gebäude wurde nach dem Zweiten Weltkrieg für eine damals sehr große, kirchengebundene Gemeinde geplant und gebaut.

Baugeschichte

Tafel Martinskirche
Tafel Martinskirche (MS, 2014)

Bereits 1285 gab es in Linden eine Kirche. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Kirche beschädigt, war dann baufällig und wurde schließlich 1727 abgerissen. Der Entwurf für die neu errichtete barocke Saalkirche stammte vom hannoverschen Hofbaumeister und Architekten Johann Christian Böhm (auch: Boehme: 1678-1730), der auch für den Bau der Orangerie in Herrenhausen verantwortlich war. Der heutige Turmbau wurde zwar im Zuge des barocken Kirchenneubaus im Jahr 1728 begonnen, infolge von Finanzierungsschwierigkeiten aber erst durch den Architekten Conrad Wilhelm Hase (1818-1902) im Jahr 1854 mit einer neogotischen Turmspitze abgeschlossen. Die heutige Kirche wurde nach Zerstörung des barocken Vorgängerbaus im Zweiten Weltkrieg von 1955 bis 1957 nach Plänen des Architekten Dieter Oesterlen (1911-1994), Hannover, unter Einbeziehung der Reste historischer Bausubstanz - insbesondere des Turms - neu gebaut.

Ausstattung

Ostseite mit St. Martin
Ostseite  mit St. Martin (2014, MS)

Beachtenswert sind im Innenraum die aus Backstein gemauerte und plastisch gestaltete Altarwand, die Buntglasfenster, die Brüstung der Empore sowie der Taufstein von 1647 und ein Altarrelief mit einer Abendmahlsszene (um 1820) aus dem Vorgängerbau.
Das handwerklich gemauerte Backsteinrelief der Altarwand stellt die zwölf Tore des neuen Jerusalem nach der Offenbarung des Johannes im Neuen Testament dar. Das Betonrelief der Emporenbrüstung zeigt Szenen aus dem Alten Testament, u.a.: Schöpfung, Arche Noah, Turmbau zu Babel, David mit der Harfe, Tanz um das goldene Kalb, Die beiden Tafeln des Gesetzes.
Entwurf und Ausführung der Buntglasfenster und Reliefs stammen vom Bildhauer und Maler Klaus Arnold (1928-2009), Karlsruhe.
Das Kruzifix auf dem Altar ist ein Werk von Franz Rickert (1904-1991), München.
Die Orgel (1963/65) auf der Empore stammt aus der Werkstatt von Paul Ott, Göttingen.
An der östlichen Außenwand hängt eine Skulptur des Bildhauers Kurt Lehmann (1905-2000), Hannover, die die Legende des Martin von Tour (316/317-397) zeigt: St. Martin teilt seinen Mantel mit einem Armen.
Älter sind die Fundamente des Kirchturms und die große "Lutherglocke" im Turm, eine der ältesten Kirchenglocken Hannovers.
Auf der einen Seite dieser Glocke ist Petrus mit dem Schlüssel zu erkennen, auf der anderen Seite Paulus mit dem Schwert. Die laut Inschrift 1483 gegossene Glocke diente vermutlich früher auch als Warnglocke bei Unwettern, denn sie trägt die Inschrift DEFUNCTOS PLANGO, VIVOS VOCO, FULGURA FRANGO - "Die Toten betrauere ich, die Lebenden rufe ich, die Blitze breche ich". Neben der im Geburtsjahr des Reformators Martin Luther gegossenen 1100 kg schweren Lutherglocke mit dem Schlagton f' hängen im Turm drei weitere kleinere Glocken aus dem Jahr 1959 (Töne: as', b', des'').

Denkmalschutz

Martinskirche im Winter
Martinskirche im Winter (2013, MS)

Wie die HAZ berichtete, gehören die Martinskirche und die Uhlhornkirche zu den Nachkriegsbauten, die wegen ihrer architektonischen Qualität neu unter Denkmalschutz gestellt werden sollen. Seit 1945 entstanden 38 neue Kirchen in Hannover. Nur 11 davon stehen voraussichtlich ab 2015 unter Denkmalschutz. Der Turm der Martinskirche aus der Barockzeit mit seiner Spitze aus dem 19. Jahrhundert steht bereits länger unter Denkmalschutz.

Evangelische Kirchen unter Denkmalschutz, HAZ 22.11.2014

Martinskirche im Frühling
Martinskirche im Frühling (MS 2014)
 

Adresse Martinskirche

Gottesdienste feiert die St. Martinsgemeinde ab Januar 2013 regelmässig am Sonntag um 11 h. Die Gemeinde trifft sich von Palmsonntag bis Silvester in der St. Martinskirche, vom Jahresanfang bis vor Palmsonntag im Gemeindehaus in der Niemeyerstraße 16 (Winterkirche) zum Gottesdienst.

Die Kirche ist ebenerdig über eine kleine Rampe zugänglich.

St. Martinskirche Hannover-Linden

Turmöffnung Scillablütenfest 2013

An der Martinskirche 15
30449 Hannover

Küster

Johannes Kufner

Tel.: 0511 2101693

Wittekindstr. 8