Kirche zu Linden

Die Vorgängerbauten der St. Martinskirche

Bereits 1285 wurde ein Pfarramt für die Dörfer Linden, Ricklingen, Badenstedt und Bornum eingerichtet. Daher gilt als sicher, dass bereits zu dieser Zeit eine Kirche in Linden stand. Im Laufe der Jahrhunderte nahm die Bevölkerung zu und Tochtergemeinden entstanden im 19. Jahrhundert und 20. Jahrhundert, wodurch sich das Gemeindegebiet verkleinerte und neue Kirchen in unmittelbarer Umgebung errichtet wurden. Die "Kirche zu Linden" benötigte eine eindeutigere Bezeichnung und mit dem neuen Namen "St. Martinskirche" knüpfte man an eine alte Tradition an.

Feldsteinkapelle

Von alten Abbildungen her ist bekannt, dass der Gemeinde jahrhundertelang eine schlichte Feldsteinkapelle als Kirche diente. Sie bestand aus drei Teilen: Einem niedrigen Turm, einem Längsschiff und einem verhältnismäßig kleinen Altarraum.

1538 war Helmold Koken der erste lutherische Prediger in Linden.

Nach dem dreißigjährigen Krieg war die alte Kirche schließlich so baufällig, dass ein Neubau in unmittelbarer Nähe errichtet wurde und die Feldsteinkapelle 1728 abgebrochen wurde.

Eine alte Glocke, die Lutherglocke, wurde 1483 - im Geburtsjahr Luthers - gegossen und hängt noch heute im Kirchturm von St. Martin. Der von zwei Lindener "Kirchenvorstehern" zur Zeit des dreißigjährigen Krieges gestiftete Taufstein aus der alten Kirche ist ebenfalls noch vorhanden.

 

Barockkirche

Grundstein Martinskirche
Grundstein der Martinskirche (Foto: MS)

1728 ersetzte eine neue Barockkirche aus Lindener Sandstein die alte Feldsteinkapelle. Der Turm jedoch konnte aus Kostengründen lange nicht fertiggestellt werden - erst im 19. Jahrhundert erhielt er nach einem Entwurf von Baumeister Haase die charakteristische neugotische Spitze aus Backstein.

Die Barockkirche enthielt einen Kanzelaltar, bei dem sich die Kanzel direkt über dem Altar befand. Die Gemeinde saß fast im Halbkreis um Altar und Kanzel herum.

Im Inneren wurden Emporen eingebaut, um die Platzzahl zu vergrößern. Laut Bauzeichnung waren 760 Bankplätze vorhanden: 446 im Ergeschoß, 160 auf der 1. Empore und 156 auf der 2. Empore.

Am 22. September 1943 wurde die barocke Kirche durch eine Luftmine schwer beschädigt, nur der Turm konnte stabilisiert und erhalten werden. 1955 entschloss sich die Gemeinde zu einem vergrößerten Neubau, für den am 29. August 1956 der Grundstein gelegt wurde.

Notkirche im Gemeindehaus Gertrud-Marien-Heim

Nach der Zerstörung der St. Martinskirche diente jahrelang der im Hinterhof des Gertrud-Marien-Heims an der Badenstedter Straße errichtete Gemeindesaal als Notkirche, bis am 4. Advent 1957 die neue St. Martinskirche fertiggestellt war.

Altar St. Martinskirche
Altar St. Martinskirche (Foto: JK)
 

Chronik

1285: Erwähnung eines Pfarrers zu Linden, zuständig für die Dörfer Linden, Ricklingen, Badenstedt und Bornum.

1483: "Lutherglocke" wird gegossen

1538: Lutherisches Bekenntnis wird in Linden eingeführt

1728: Barocker Kirchbau ersetzt die alte Kirche

1854: Die barocke Saalkirche erhält eine neugotische Kirchturmspitze nach einem Entwurf von Baumeister Haase

1858: Zweites Pfarramt wird eingerichtet

1877: Filialgemeinde Ricklingen wird eigene Gemeinde - am 29.9.1888 wird die Michaeliskirche eingeweiht

1880: 1. Advent: Zionskirche (seit 1942: Erlöserkirche) wird eingeweiht, Bildung der späteren Erlösergemeinde

1906: Martinstag (11.11.1906): Einweihung der Bethlehemkirche mit 1000 Plätzen (bei 19.900 Gemeindegliedern auf dem späteren Gemeindegebiet der Bethlehemgemeinde)

1911: Bethlehemgemeinde wird selbständig (1910: 24.400 Gemeindeglieder)

1943: 23. September: Weitgehende Zerstörung der alten Kirche

1956: 29. August: Grundsteinlegung für den heutigen Kirchenbau der St. Martinskirche mit 800 Plätzen

1957: 4. Advent: Festgottesdienst mit dem Landesbischof in der neuen St. Martinskirche (Entwurf: Prof. Oesterlen). Die St. Martinsgemeinde hat 16000 Gemeindeglieder.

1959: Guß dreier neuer Glocken

1965: Fertigstellung der neuen Ott-Orgel auf der Empore

1980: Neue Kirchturmuhr mit 4 Zifferblättern

2014: 10 von 38 in Hannover seit 1945 neu- oder wiedererrichtete evangelische Kirchen - darunter die Martinskirche - werden nach einem Bewertungsverfahren als Denkmäler eingestuft.

2016: Untersuchung der Glasfenster zur Planung von Erhaltungsmaßnahmen.